Wandern auf der Insel Losinj

Viele unserer Freunde und Bekannten sind immer wieder verwundert, dass wir seit Jahren im Frühjahr oder im Herbst zum Wandern nach Losinj fahren, wo wir doch im Tessin in einer herrlichen Umgebung leben. Aber die verlockende Möglichkeit das wunderbare Zusammenspiel der Düfte von Pinienwäldern und Heilkräutern mit der guten, natürlichen, salzigen Meerluft auf malerischen Spazier-und Wanderwegen zu geniessen, zieht uns immer wieder magisch an. Während die meisten Urlauber den Lungomare für lange Spaziergänge oder den Berg Televrin für Wanderungen auserkoren haben, bevorzugen wir den Südteil der Insel. Hier wird die Natur von einem Labyrinth alter Hirtenwege durchzogen, ein paradiesisches Wanderrevier für alle die Bewegung und zugleich Ruhe in reizvollen Umgebung suchen, Wir starten — mit Wanderschuhen und Rucksack ausgerüstet — nachdem uns Jack mit einem Frühstück, wie wir es lieben, in der Morgensonne auf der Terrasse des Hotel Dolphin Suites verwöhnt hat: Vorbei an den Parkplätzen des Hotels orientieren wir uns an die Kapelle Sv. Nikola auf dem gleichnamigen Hügel. Von dort führt uns zunächst in Richtung Westen dann Südwesten (Abzweig Mrtvaska) ein Pfad durch die typische mediterrane Macchia und lichten Wald bis auf den Bergrücken der Insel. Nach ca. einer Stunde erreichen wir die schmale Strasse, die nach Mrtvaska führt. Wir sind hier oben, etwa 240 m ü M., schon vor fast 20 Jahren gewandert, als dies noch ein Feldweg war. Nun verbindet die Magistrale mit einer schmalen Asphalt-decke Mali Losinj mit Mrtvaska, von wo aus man mit einem „Shuttleboat“ die Blu-meninsel Ilovik erreichen kann. Von diesem Weg hat man zu beiden Seiten eine phantastische Sicht auf die Adria und die kleineren Kvarner Inseln; die Krönung aber ist, kurz bevor es in engen Serpentinen hinunter zu dem kleinen Hafen von Mrtvaska geht, der Blick über die Inseln Ilovik und daneben Sv. Petar, auf der sich der Friedhof von Ilovik befindet, Am Ufer angekommen, wenden wir uns nach rechts, d. h. nach Westen und wandern nun längs zur Küste auf einem schmalen Fussweg. Immer wieder begeistert uns die Farbenpracht, das nuancenreiche Grün, das Blau des Himmels, das tiefe Blau des Meeres., welches zum Ufer hin in smaragd- und türkisfarbene Töne übergeht. Und die Vielfalt an Pflanzen: einige, wie Thymian, Salbei, Lorbeer, Wachholder sind uns natürlich bekannt ebenso wie die hohen Pinien. Aber dann entdecken wir kleine rotorange, runde Früchte mit einer unebe-nen Oberfläche, Inzwischen wissen wir, dass es sich um Erdbeerbäume handelt, dass die Früchte in Mengen verzehrt Verdauungsprobleme bereiten können und dass sie im gereiften Zustand Alkohol enthalten, Wir verzichten deshalb darauf, welche zu pflücken und erwerben sie lieber, zu Konfitüre verarbeitet, bei Sandra Nicolich im „Garten der Düfte“ in Mali Losinj. Der Wanderweg erstreckt sich nun von Bucht zu Bucht und endlich erreichen wir Balvanida. Vor einigen Jahren noch eine winzige rustikale Konoba, inzwischen eher ein Restaurant, aber immer noch der ideale Ort um bei Speisen aus eige-ner Herstellung und kühlen Getränken auszuruhen. Von Macchia umgeben, fernab von Autoverkehr und Lärm geniessen wir hier die Ruhe und beobachten ent-spannt die bunten Schmetterlinge, die uns umflattern und gern auf unseren mit einigen Tropfen Malvasia angefeuchteten Fingern sitzen, um sich mit dem Wein vollzusaugen.